Mit Köpfchen aus der Krise – BAföG für Alle erkämpfen!
5. bis 7. September – Uni Köln
Für die Ausrichtung verantwortlich: SDS Köln

„1. Jeder hat das Recht auf Bildung. […]
2. Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.”
– ART. 26 DER ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE
Das Recht auf Bildung wird in Deutschland seit langem mit Füßen getreten. In kaum einem industriell entwickelten Land ist der Zugang zu höherer Bildung so stark von der sozialen Herkunft abhängig wie hierzulande. Der Grund: Das BAföG, wie es im Zuge des Aufbruchs der Studierendenbewegung erkämpft wurde, um die Universitäten für die gesamte Bevölkerung zu öffnen und allgemeinwohlorientiert zu entwickeln, ist seit seiner Einführung 1972 von der Politik gezielt ausgehöhlt worden. Wer heute studiert, muss mit einem Leben in Armut rechnen. Rund ein Drittel aller Studierenden – unter denen, die alleine oder in WGs leben, sogar drei Viertel – lebt unterhalb der Armutsgrenze. Daran ändern auch periodische medienwirksame Beileidsbekundungen wenig.
Nur der gemeinsame Kampf für die Verbesserung der sozialen Lage und eine emanzipatorische Bildung für Alle bringt uns vorwärts. Die erfolgreichen Studierendenproteste für die Abschaffung der Studiengebühren in den Jahren der Finanzkrise haben das eindrücklich gezeigt. Die
globale Krise hat sich seit 2007 jedoch massiv verschärft. Der aktuelle Rüstungswahn untergräbt alle humanen und sozialen Errungenschaften und führt geradewegs in den Abgrund. Umso mehr braucht es nun erst recht ein lebensgrundlagensicherndes BAföG, das alters-, eltern- und herkunftsunabhängig allen Studierenden, Auszubildenden und Schüler:innen ab 18 Jahren rückzahlungsfrei gewährt wird. Denn Bildung und Wissenschaft tragen – gerade hierzulande – eine historisch gewachsene Verantwortung zur Humanisierung der Welt. Nur wenn Studierende als mündige Subjekte sozial gesichert, kulturell ungehemmt und mit produktiver Muße an ihrer inhaltlichen Ausgestaltung mitwirken können, können sie diese Verantwortung zur Lösung der globalen Probleme wahrnehmen.
Es ist an uns, mit dem BAföG für Alle einen grundlegenden Richtungswechsel hervorzubringen – hin zu einer zivilen, solidarischen, ökologisch nachhaltigen und demokratisch-aufgeklärten Entwicklung der Gesellschaft. Dafür wollen wir u.a. diskutieren, was erforderlich ist, um die längst überfällige BAföG-Reform gesellschaftlich durchzusetzen, was wir dafür von den Studierenden- und Auszubildendenprotesten der Vergangenheit lernen können, welchen Beitrag Gewerkschaften und Studierendenwerke zum gemeinsamen Kampf für das BAföG für Alle leisten können und wie die beispielgebende Auseinandersetzung um soziale Verbesserungen auch über das Bildungswesen hinaus zu verallgemeinern ist.
Mit Köpfchen aus der Krise – gemeinsam für…
…BAföG für Alle!
…Bildung und Wissenschaft für Frieden und Demokratie!
…ein neues 68!
Programm
Freitag, 05.09.2025
19:00-20:30: Ankommen, Kennenlernen, Abendessen
21 Uhr: Filmabend mit Diskussion
Samstag, 06.09.2025
12:00-12:30: Ankommen
12:30-13:00: Eröffnung
13:00-15:30: Warum kämpfen wir um die Hochschulen?
Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen aus der Studierendenbewegung von fzs (freier zusammenschluss studentInnenschaften – angefragt), BAS (Bundesverband ausländischer Studierender), BAföG-für-Alle-Kampagne, dielinke.SDS & Juso HSGen (angefragt).
Zur Lösung globaler Herausforderungen bedarf es der kooperativ engagierten, mündigen und wissenschaftlich qualifizierten Persönlichkeiten. Mit emanzipatorischer Bildung geht einher, die Welt zu verstehen, um sie – im besten Fall sozial, zivil und demokratisch – zu gestalten. Entgegen dieser Potentialität werden Hochschulen und Studierende unterfinanziert und auf die konforme Reproduktion des veränderungswürdigen Status quo getrimmt. In diesem Konflikt ist das BAföG ein erkämpfter sozialer Fortschritt, den es dringend auszubauen gilt.
- Worin besteht die gesellschaftliche Bedeutung der Hochschulen allgemein und in der gegenwärtigen politischen Situation im Besonderen?
- Was für eine Bildung wollen bzw. brauchen wir?
- Wie begreifen wir den Kampf für BAföG für Alle? Wieso ist er paradigmatisch für das Hervorbringen einer sozialen gesellschaftlichen Wende?
15:30-16:30: Kaffee- und Snackpause
16:30-19:00: Der Kampf um das BAföG hat Geschichte – aus 68 schöpfen
Diskussion mit Frank Deppe (Politikwissenschaftler, SDS-Bundesvorstand 1965-1967)
Das BAföG als bindender Rechtsanspruch wurde 1972 als Vollzuschuss von der 68er Studierenden-Bewegung erkämpft. Der Kampf um das BAföG als Schritt hin zur sozialen Öffnung der Hochschulen, zur Verwirklichung des Grundrechts auf Bildung und freie Berufswahl war Teil eines Aufbruchs zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen (allen voran für die Beendigung des Vietnamkriegs), wofür Studierende die materiellen Bedingungen brauchten. Wir wollen aus der Geschichte für heute lernen und dafür mit Frank Deppe diskutieren:
- Warum haben die 68er um die Einführung eines BAföG gekämpft und warum konnten sie
es durchsetzen? - Was waren die historischen Vorbedingungen der Studierendenproteste 1968?
- Worauf begründete sich die selbstbewusste Forderung der damaligen Studierendenbewegung nach einer staatlich garantierten Ausbildungsvergütung? Was lässt sich daraus für heute lernen?
19:00-21:00: Abendessen
21:00-23:00: Kulturprogramm: Lesung zu 1968 aus „Heißer Sommer“ von Uwe Timm
„Später, als er in seiner Mansarde saß, hatte er daran gedacht, wie oft sie das gesagt hatten: verändern und befreien. Vielleicht hatten sie es auch gar nicht so oft gesagt und er bildete es sich nur ein. Aber er hatte an dem Abend im Cosinus diese Worte zum ersten mal mit einer neuen Bedeutung gehört. Er hatte das Gefühl gehabt, als löse sich eine Erstarrung langsam auf, die er früher nicht einmal bemerkt hatte.“
Uwe Timm: „Heisser Sommer“, 1974, S142, Literarische Verarbeitung der westdeutschen Studentenbewegung 1968.
Sonntag, 07.09.2025
10:00-12:00: BAföG und Studierendenwerk – gemeinsam zur Kultur der Solidarität
Diskussion mit Matthias Anbuhl (Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks)
Die Studierendenwerke wurden von Studierenden in den 1920er Jahren gegründet, um akademische Bildung für alle, unabhängig von ihren finanziellen Mitteln, zu ermöglichen. Sie sollen die sozialen Bedarfe von Studierenden selbstverwaltet decken und dafür Staat und Unternehmen in die Pflicht nehmen. Statt der neoliberal erzwungenen Elendsverwaltung müssen die Studierendenwerke wieder die Aufgabe der Interessenvertretung zur Durchsetzung der notwendigen sozialen Grundlagen für ein erfreuliches Studium wahrnehmen.
- Müssen Studierende etwas leisten, um etwas zu verdienen?
- Geschichte und Kampf ums Studierendenwerk: Weg von Hartz IV-Mentalität vorwärts zu den Wurzeln der solidarisch-kämpferischen Selbstverwaltung – wie gelingt’s?
- Was muss sich im Studierendenwerk ändern und entwickeln, um dynamisch für das BAföG zu kämpfen? Was muss sich in der Studierendenschaft entwickeln, um die Studierendenwerke zu demokratisieren und für den gemeinsamen Kampf zu mobilisieren?
12:00-12:30: Kaffeepause
12:30-14:30: BAföG – Studierende, Gewerkschaften und gemeinsamer sozialer Kampf
Diskussion mit Sonja Staack (Bundesfachkommissionsleiterin Hochschulen und Forschung bei ver.di – angefragt)
In wessen Interesse und zu welchen Zwecken gelernt, gelehrt und geforscht wird, ist gesellschaftlich umkämpft, und mit der sozialen Zugänglichkeit zu Bildung und Wissenschaft untrennbar verbunden. Es war der kämpferische Zusammenschluss von Studierenden, Schüler:innen und Auszubildenden, der Seite an Seite mit den Gewerkschaften den gesellschaftlichen Fortschritt vom BAföG erstmals durchsetzte. Heute steht die notwendige soziale Ermöglichung von emanzipatorischer Bildung und Wissenschaft erst recht auf der gesellschaftlichen Tagesordnung.
- Wie können Studierenden- und Gewerkschaftsbewegung für die notwendige Umverteilung neu und verstärkt zusammenwirken?
- Was können Studierende von Gewerkschaften im Kampf zwischen Oben und Unten lernen? Was können Gewerkschaften im Kampf um die emanzipatorische Persönlichkeitsentfaltung von den Studierenden lernen?
- Welche Rolle können die Gewerkschaften in der Durchsetzung von BAföG für Alle spielen?
14:30-15:00 Uhr: Mittagspause
15:00-16:00 Uhr: Resümee und Verabredungen
Anmeldung
Bitte meldet euch über dieses Formular an: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSdcmHWV4XeIM0wBlVmYyCm9UEah2Iotxi-c107A61BECGGxsw/viewform?usp=header. Die Teilnahme ist kostenlos.
Anfahrt
Infos zur Anfahrt werden bald veröffentlicht. Für die Übernahme der Fahrtkosten wendet euch bitte an eure lokalen Organisationen (ASten, Gewerkschaften etc.). Wenn ihr Fragen habt oder Unterstützung braucht, dann wendet euch gerne per Mail an uns.
Übernachtung
Wir organisieren Übernachtungsmöglichkeiten für die Teilnehmenden – die Kosten für die Übernachtungen werden übernommen, ihr müsst sie also nicht selbst zahlen. Dafür ist wichtig, dass ihr euch anmeldet damit wir wissen wieviele Übernachtungsplätze benötigt werden. Weitere Infos werden dann hier veröffentlicht.
Mobilisierungsmaterial
Plakat
Sticker
Sharepics
Unterstützer
Bundesverband ausländischer Studierende
Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Landesausschuss der Studierenden (LASS) GEW NRW
Studierendenparlament Uni Bonn
Studierendenparlament Goethe-Universität Frankfurt
AStA Goethe-Universität Frankfurt
AStA Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf