Sein wir realistisch, verlangen wir das Unmögliche.
BAföG für Alle statt Strammstehen fürs Vaterland!
Bundesweiter Aktionstag zum Weltstudierendentag Montag, 17. November 2025.
Dokumentation der Redebeiträge und Aktionen in: Hamburg, Frankfurt a.M., Oldenburg, Köln, Magdeburg
„Me-Ti sagte: Umwälzungen finden in Sackgassen statt.“ (Bertolt Brecht)
Ein sozialstaatlich garantiertes, lebensgrundlagensicherndes Existenzminimum ist weder Almosen noch Utopie, sondern ein unveräußerliches Grundrecht (abgeleitet aus Art. 1 und 20 des antifaschistischen Grundgesetzes). Es gilt für Alle – auch für Studierende. Seine materielle Verwirklichung muss jedoch heute fundamental neu erkämpft werden.
Wenn nun die aktuelle Bundesregierung einen „Herbst der Reformen“ ankündigt und droht, noch die letzten Grundpfeiler des Sozialstaats zu schleifen, damit bei Rheinmetall die Kriegskasse klingelt, dann sagen wir: Schluss damit! Die politisch ungehemmte Bereicherung einiger Weniger auf Kosten der Vielen ist eine viel zu lange schon befahrene, gesellschaftliche Sackgasse. Es muss grundlegend anders werden, damit es besser werden kann.
Der Kampf für ein „BAföG für Alle“ als unbefristete, rückzahlungsfreie, alters-, eltern- und herkunfts – unabhängige Studienförderung, die die realen Lebenshaltungskosten (aktuell ca. 1200,- Euro) inflationsangepasst deckt, hat dabei beispielgebende gesellschaftliche Bedeutung. Für die allgemeinwohlorientierte Entfaltung kritischer Persönlichkeiten in Bildung und Wissenschaft kann gar nicht genug Geld ausgegeben werden. Das Produktivitätsniveau ist längst hoch genug, um Allen ein menschenwürdiges Leben rund um den Globus zu ermöglichen. Es braucht jedoch kluge Köpfe statt Kanonen – und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen – um die drängenden Menschheitsprobleme (Krieg/Frieden, soziale Ungleichheit, demokratische Teilhabe, nachhaltiges Wachstum, Umweltzerstörung, Hunger, Elend und Epidemien) zu lösen.
Studierenden kommt dabei eine entscheidende Initiativrolle zu. Davon zeugen nicht zuletzt die studentischen Kämpfe der Geschichte und Gegenwart. So erinnert der 1941 ins Leben gerufene International Students Day an den antifaschistischen Aufstand von Studierenden der Prager Karls-Universität am 17. November 1938, welcher für Zigtausende den Ausgangspunkt bildete, sich dem humanistisch-oppositionellen Widerstand zur Befreiung von Faschismus und Weltkrieg anzuschließen. Im Jahr 1973 schallte es am 17. November „Brot – Bildung – Freiheit“ durch die Straßen Athens. Studierende, Schüler:innen und Arbeiter:innen hatten das Polytechnikum besetzt und läuteten damit das Ende der US- und NATO-gestützten Militärdiktatur ein. Die griechischen Kommiliton:innen waren Teil der weltweiten Studierendenbewegung von 1968 ff., die antrat, um die notwendigen Schlussfolgerungen aus der Befreiung vom Faschismus für ein tatsächliches „Nie wieder!“ umfassend gesellschaftlich zu verwirklichen.
Darum geht es heute mehr denn je. An dieser grundlegenden Kehrtwende hin zur demokratisch-aufgeklärten, solidarischen Gestaltung umfassend humaner Lebensbedingungen mitzuwirken, ist der eigentliche, erfreuliche Sinngehalt von Studium und Wissenschaft. Davon sei niemand abgehalten. Deshalb: BAföG für Alle! Heraus zum Aktionstag!
Hamburg
Kundgebung vor dem Audimax der Universität Hamburg (Von-Melle-Park) Montag, der 17.11. um 16 Uhr
Redebeiträge von Aktiven aus der BAföG für Alle Kampagne in Hamburg
Realutopie: BAföG für Alle!
Redebeitrag von Franziska (SDS*, kritische Aktive in der Sozialökonomie)
Elternunabhängig!
„Wir fordern ein BAföG für Alle, das unabhängig von den Eltern ist!
Bestimmen wir also zuerst den Gegenstand, von dem wir unabhängig werden wollen.
Zur Familie:
„Das Wort familia […] bezieht sich bei den Römern anfänglich gar nicht einmal auf das Ehepaar und dessen Kinder, sondern auf die Sklaven allein. Famulus heißt ein Haussklave, und familia ist die Gesammtheit der einem Mann gehörenden Sklaven.“
(Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. 1884, MEW Band 21, S.61)
Kurt Tucholsky, Linker und antifaschistischer Intellektueller in der Weimarer Republik schreibt 1923 dazu (Gesammelte Werke, Band 3, S. 307):
„Die Familie (familia domestica communis, die gemeine Hausfamilie) kommt in Mitteleuropa wild vor und verharrt gewöhnlich in diesem Zustande. Sie besteht aus einer Ansammlung vieler Menschen verschiedenen Geschlechts, die ihre Hauptaufgabe darin erblicken, ihre Nasen in deine Angelegenheiten zu stecken. Wenn die Familie größeren Umfang erreicht hat, nennt man sie ›Verwandtschaft‹ (siehe im Wörterbuch unter M). Die Familie erscheint meist zu scheußlichen Klumpen geballt und würde bei Aufständen dauernd Gefahr laufen, erschossen zu werden, weil sie grundsätzlich nicht auseinandergeht. Die Familie ist sich in der Regel heftig zum Ekel. Die Familienzugehörigkeit befördert einen Krankheitskeim, der weit verbreitet ist: alle Mitglieder der Innung nehmen dauernd übel. Jene Tante, die auf dem berühmten Sofa saß, ist eine Geschichtsfälschung: denn erstens sitzt eine Tante niemals allein, und zweitens nimmt sie immer übel – nicht nur auf dem Sofa: im Sitzen, im Stehen, im Liegen und auf der Untergrundbahn.“
Soweit Tucholsky.
Die Familie, insbesondere die monogame Familie hat einen historischen Sinn: Die institutionelle Absicherung des gewalttätig angeeigneten Privateigentums an den Produktionsmitteln. Dadurch wird auch die Absicherung der Herrschaft über die Produzenten – die restlichen, heute 8 Milliarden Menschen – abgesichert.
Die Familie ist heute gemeiner denn Jeh: Nichts anderes ist mehr ihre Aufgabe als die Verhinderung der notwendigen Aufhebung des Privateigentums zu gesellschaftlichem Eigentum im Allgemeinwohl. Das geschieht durch Vererbung des Eigentums an Bürgerkinder, die Vererbung der Armut an die Arbeiterkinder und die Vererbung von Bravheit an beide.
Und so steht es auch im deutschen Grundgesetz: Ehe, Familie und Eigentum erhalten den besonderen staatlichen Schutz – die Eltern hätten das „natürliche Recht“, „ihren“ Kindern das grundlegende gesellschaftliche Wissen nach subjektivem Empfinden anzuerziehen. Oder wie man es an Baustellenzäunen liest: Eltern Haften für ihre Kinder. Als bestünde an jedem Baustellenzaun die brennende Gefahr des Aufstands der Neugierigen.
Nicht zufälligerweise rechtfertigte die ehemalige britische Premierministerin (1979-1990) Margarete Thatcher den Kampf gegen die Arbeiterbewegung, gegen die Errungenschaften der 68er sowie die Zerstörung des Sozialstaats damit, es gäbe keine Gesellschaft, nur Individuen und Familien. Ihrem Willen nach soll es keinen assoziierten Kampf geben, der die Ausbeutung infrage stellt. Stattdessen sollen die Schäden der Ausbeutung individuell und in der Familien-Formation ertragen und kompensiert werden.
Kein Wunder, dass wir seit Thatchers neoliberalen Feldzug wieder regelmäßig zu hören bekommen: „Du musst doch was ordentliches werden!“ oder „was für Seminare besuchst du denn?“ oder „du musst auch mal auf eigenen Beinen stehen!“ oder „wie lange brauchst du denn noch?“ oder „ich möchte nicht, dass du in der ersten Reihe stehst bei so politischen Sachen!“ oder „pass auf dich auf!“ oder hat schon wer zu hören bekommen „ham’se schon gedient?“. Alles immer zusammen mit dem schlimmsten aller Sätze: „Ich habe dich ganz ganz doll lieb!!!“.
Wenn man mal drüber nachdenkt, dass sich diese „tiefgründigen Sätze“ mit „tiefschürfenden Gefühlen“ der „Blutsverwandtschaft“ alle im nahezu gleichen Wortlaut anhören müssen, wird der Horror zur Karikatur. Hinfort damit!
Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Sinnvoller Lebensinhalt ist die assoziierte Gestaltung der Gesellschaft nach humanistischer Maßgabe. Die globalen Entwicklungsaufgaben sind akut: Abrüstung, Zivilisierung und Frieden, Überwindung der Armut hin zu sozialer Gleichheit, ein erfreuliches Mensch-Natur Austauschverhältnis, demokratische Gestaltung aller gesellschaftlichen Bereiche und das alles in scharfer antifaschistischer Gegnerschaft. Aus der Geschichte lässt sich dafür reichhaltig Lernen. Die Entfaltung jeder Person in diesem kollektiven Kampf für eine menschenwürdige, sozialistische Gesellschaft nimmt das bessere Leben schon bedeutend vorweg.
Die Sympathie und Liebe ist in Wirklichkeit davon Teil, und zwar nicht beschränkt durch Zweisamkeit oder Familie: Bertold Brecht schreibt dazu in den 1930er Jahren im Exil (Me-ti Buch der Wendung, Gesammelte Werke, Band 12, S.571 f.):
„Die Liebe verändert den Liebenden und den Geliebten, ob in guter oder schlechter Weise. Schon von außen erscheinen Liebende wie Produzierende, und zwar solche hoher Ordnung. Sie zeigen Passion und unhinderbarkeit, sie sind weich ohne schwach zu sein, sie sind immer auf der Suche nach freundlichen Handlungen, die sie begehen können […] Den Besten gelingt es, ihre Liebe völlig in Einklang mit anderen Produktionen zu bringen; dann wird ihre Freundlichkeit zu einer allgemeinen, ihre erfinderische Art zu einer vielen nützlichen, und sie unterstützen alles Produktive.“
Die kollektive Wissensaneignung und Wissensbildung sollte in dieser Weise befreiend sein. Für ein Studium und eine Universität, deren Mitglieder voranschreitende Subjekte der gesellschaftlichen Veränderung werden. Das ist im Interesse der 99% der Bevölkerung das politisch Beste, das wissenschaftlich Sinnvollste, das kulturell Erfreulichste, das ist die Realisierung persönlicher Zuversicht und gesellschaftlicher Perspektive. Jeder, Du, kannst jetzt Teil davon sein.
Also zerschneiden wir das einengende Band der Familie, kämpfen wir für eine gleiche Studienfinanzierung für Alle: Für eine elternunabhängiges BAföG für Alle!“
Redebeitrag von Lars (junge sozialist:innen & fachschaftsaktive, kritische Fachschaftsaktive Sozialwissenschaften).
Rückzahlungsfrei!
„Hallo, mein Name ist Lily, ich bin im Fachschaftsrat Soziale Arbeit an der HAW Hamburg und aktiv in Kampagne BAföG für Alle, weil Bildung nicht vom Geldbeutel abhängen darf.
Wir kämpfen für ein BAföG für Alle:
In bedarfsdeckender Höhe, unabhängig von Alter, Herkunft und Elternhaus und insbesondere rückzahlungsfrei!
Denn der Gedanke, nach dem Studium einen Haufen an Schulden abbezahlen zu müssen hält viele davon ab, überhaupt erst ein Studium anzufangen. Das ist verschwendetes Potenzial für jede und jeden persönlich wie uns als gesamte Menschheit. Denn zur Überwindung von Armut, zur Beendigung der Klimakrise oder der Schaffung eines dauerhaften Friedens braucht es Wissenschaft und entsprechend Studierende, die dieses Wissen hervorbringen.
Damit wir uns aber voll auf unser Studium konzentrieren können, kreativ werden bei der Erarbeitung von neuen Ideen, diese mit unseren Kommiliton:innen und Lehrenden diskutieren braucht es einen klaren Kopf. Existenzielle Sorgen und der Druck, das Studium möglichst schnell durchziehen zu müssen, bewirken das Gegenteil.
Wenn ich fürchten muss, dass ich am Ende meines Studiums auf den BAföG Schulden sitze und diese nicht abbezahlen kann, führt das vor allem dazu, dass ich von Vorlesung zu Seminar hetze und jede bevorstehende Prüfung zur existenziellen Frage wird, weil ein Nichtbestehen meinen Schuldenberg erhöhen könnte. Im schlimmsten Fall breche ich deshalb das Studium ab.
So machen Schulden bescheiden, anspruchslos und brav, fördern Existenz- und Zukunftsängste, lähmen und halten davon ab, für eine zivile und nachhaltige Entwicklung zu lernen, zu forschen und zu wirken.
Es ist absurd, dass wir etwas für das Studium zurückzahlen sollen – denn ohne uns Studierende, ohne wissenschaftliche Erkenntnis, ohne Forschung und Innovation gäbe es keinen gesellschaftlichen Fortschritt. Studieren ist kein Privileg, sondern eine erforderliche Tätigkeit und muss in diesem Sinne finanziert werden.
Aktuell ist aber genau das Gegenteil der Fall: Die Frage, ob man sich ein Studium leisten kann, wird individualisiert und dabei dreist behauptet, für Hochschulbildung und eine umfassende Studienfinanzierung sei kein Geld da. Das ist schlicht gelogen: Die Frage ist nämlich nicht, ob ich mir ein Studium leisten kann, sondern ob wir uns weiter eine Gesellschaft leisten können, die zu Gunsten der Aufrüstung und Militarisierung an Bildung spart. Eine Gesellschaft, die in Kauf nimmt, dass sich junge Menschen aus sozialer Not heraus bei der Bundeswehr verpflichten, statt ein Studium zu beginnen. Zusammen mit der geplanten Wehrpflicht soll auch das Gehalt der Wehrdienstleistenden auf rund 2600 Euro brutto im Monat angehoben werden. Dagegen sind nächstes Jahr im Bundeshaushalt nur noch gut eine Milliarde fürs Studierenden-BAföG eingeplant. Allein für Berufs- und Zeitsoldat:innen ist das neunfache vorgesehen.
Von weiteren Ausgaben für die Bundeswehr und Rekordgewinne der Rüstungsindustrie ganz zu schweigen. Es ist offensichtlich: Geld für ein allumfassendes rückzahlungsfreies BAföG ist mehr als genug da.
Strammstehen fürs Vaterland und Sterben an der Front sind dagegen völlig unproduktiv. Da haben wir mit unserem Studium, Wissenschaft und Aufklärung deutlich besseres vor: Wenn wir diszipliniert und entmenschlicht werden sollen, lasst uns das um so frecher in Frage stellen.
Wenn wir zu Befehl und Gehorsam gedrillt werden sollen, lasst uns erst recht für die volle Entfaltung der Persönlichkeit jedes Einzelnen wirken.
Wenn wir uns auf das Recht des Stärkeren berufen und gegen andere durchsetzen sollen, lasst uns erst recht darauf setzen, im globalen Maßstab miteinander zusammenzuarbeiten.
Und wenn wir uns folgsam den fremden Interessen einiger Weniger unterordnen sollen, lasst uns erst recht für die humane Gestaltung aller Lebensbereiche streiten.
In diesem Sinne: BAföG für Alle – statt Schuldenfalle!“
Redebeitrag von Lilly (SDS HAW, Fachschaftsrat Soziale Arbeit)
1200€ monatlich und inflationsangepasst!
„Hallo liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
wir fordern eine BAföG-Höhe von mindestens 1200 € im Monat und darüber hinaus, dass dieser Betrag dauerhaft inflationsangepasst erhöht wird!
Aber: „Können wir uns das denn überhaupt leisten?“ Wir vertreten dazu: Für Bildung können wir als Gesellschaft gar nicht genug Geld ausgeben.
Es braucht massive Investitionen in Bildung und Wissenschaft und damit in die Entwicklung des technischen wie sozialen und politischen Fortschritts. Es geht uns um eine demokratisierende, sozialstaatliche Studienförderung, die der tatsächlichen gesellschaftlichen Funktion und dem Charakter des Studiums gerecht wird, indem sie Emanzipation durch Bildung befördert.
Mit der internationalen Vergesellschaftung des Produktionsprozesses und seiner zunehmenden Verwissenschaftlichung sowie den wachsenden globalen Herausforderungen (rund 900 Millionen Menschen leiden unter Hunger, während die Weltbevölkerung auf aktuellem Stand 2,5 Mal ernährt werden könnte) steigt der gesellschaftliche Bedarf an qualifizierten Persönlichkeiten, die in der Lage sind, alle Lebensbereiche wissenschaftlich zu durchdringen und kooperativ sinnvoll zu gestalten. Die Demokratisierung des Zugangs zu Bildung durch ein ausgebautes „BAföG für Alle“ ist dafür unverzichtbar und eine grundlegend erforderliche Alternative zu Armut und struktureller Gewalt. Durch die Ermöglichung des Studiums unabhängig von sozialer Herkunft und ökonomischem Druck steigt die Anzahl der Menschen, die die Möglichkeit haben, an Forschung und Lehre mitzuwirken und durch sinnvoll angewandten wissenschaftlichen Fortschritt (technisch, sozial und politisch) die Arbeitsproduktivität zu steigern. Diese „progressive Spirale“ ist historisch gesehen die treibende Kraft der globalen Zivilisationsentwicklung. Bessere Bedingungen zur humanen Lösung kultureller, sozialer, ökonomischer, ökologischer und politischer Krisen und Konflikte werden so geschaffen. Auf diese Weise trägt eine auskömmliche Studienfinanzierung zu nachhaltigem Wachstum bei.
Anfang des Jahres 2024 befindet sich Deutschland in einer wirtschaftlichen Rezession von -0,3 % (Rückgang des BIP, preisbereinigt). Bei der Frage „Wer bezahlt diese Krise?“ gehen gesellschaftliche Vernunft und politische Realität jedoch diametral auseinander. Die Produktionskosten, welche die Unternehmer für die Herstellung der Waren bezahlen, hat sich um 11 % verringert. Die staatlichen Ausgaben in der gleichen Periode wurden um 11 % erhöht. Übersetzt: Der Staat subventioniert die Profitsteigerung für die ganz Wenigen. Im gleichen Zeitraum ist der Verbraucherpreis beim Einkaufen für die Vielen um 3 % gestiegen. Und die DAX-Konzerne haben Rekordgewinne mit einer Dividendenerhöhung um 3 % im Vergleich zum Vorjahr eingefahren. Wieder übersetzt: Die Vielen haben die Dividenden der ganz Wenigen bezahlt. Zusammengefasst: Die staatlichen Investitionen gehen derzeit direkt als Subventionen zum Großkapital, während die übergroße Mehrzahl die Krise doppelt bezahlt (durch staatliche Ausgabenkürzungen, sprich Sozialabbau und durch höhere Preise sprich „Inflation“).
Vernünftig hingegen sind staatliche Investitionen und öffentliche Ausgabensteigerungen für die produktiven Bereiche der Gesellschaft (Bildung, Gesundheit, Soziales, Kultur und öffentliche Infrastruktur). Die staatliche Ausfinanzierung sozialer Bedarfe nach dem Prinzip des „BAföG für Alle“ wirkt als wirtschaftliche Maßnahme gegen die Verschärfung der Krise, da mit der Kaufkraftstärkung von Menschen mit niedrigem Einkommen sofort und mit nachhaltiger Wirkung die Konjunktur angekurbelt wird. Jeder Euro bei Studierenden steigert die Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs, weil wir das Geld ausgeben und damit unmittelbar „reinvestieren“, statt es in Offshore-Steueroasen oder spekulativen -Kapitalanlagen destruktiv zu horten. Dadurch wachsen unmittelbar das BIP und die Steuereinahmen, sodass die Staatsausgaben für das BAföG im Folgejahr ihrer Verausgabung refinanziert sind. Zusätzlich steigt mit wachsender Binnennachfrage bei den Unternehmen die Absatz- und Gewinnerwartung und damit die Investitionsneigung. Die Produktion wird hochgefahren, mehr Arbeitskräfte werden dafür benötigt, die mit ihrem steigenden Lohn wiederum für zusätzliche gesamtwirtschaftliche Nachfrage sorgen. Mit gesteigerten Konsumausgaben und Investitionen werden auch mehr Steuern gezahlt, die wiederum staatlicherseits sinnvoll zur Entwicklung des Allgemeinwohls ausgegeben werden können. Die langfristig positiven Effekte eines wachsenden Qualifikationsniveaus und der enormen Steigerung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch die Ermöglichung eines produktiven Studierens für die große Mehrzahl durch „BAföG für Alle“ kommen noch hinzu. Jeder Euro für BAföG kommt also vervielfacht in den Wirtschaftskreislauf zurück.
Und eine dauerhafte Erhöhung des BAföGs gemessen an der Inflation ist notwendig da sonst Reallohnverlust stattfindet, was ein typisches Problem ist in allen Lohnkämpfen. Eine derartige dauerhafte Erhöhung ist somit auch erforderlich gegen die steigende Ungleichheit.
Wir halten fest: Studierende sind eine treibende Kraft für die Belebung der Konjunktur, die Realisierung humaner Ansprüche an eine bessere Welt und die Schaffung umfassender gesellschaftlicher Perspektive. Lasst uns in diesem Sinne kämpfen für ein ausreichendes und inflationsangepasstes BAföG für Alle!“
Redebeitrag von Arik (SDS*, kritische Aktive in der Sozialökonomie)
Herkunftsunabhängig!
Redebeitrag von Lucas (Liste Links, Referat für internationale Studierende im AStA der Uni Hamburg)
Unbefristet und Alterunabhängig!
Redebeitrag von Leonie (SDS HAW, Gesundheitswissenschaften)
Und jetzt? Ausblick!
„Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
die Forderung nach einem BAföG für alle, also einer staatlichen Ausbildungsförderung, die unbegrenztes Lernen für jede und jeden ermöglicht, ist sinnvoll, klug und angemessen. Ihre Realisierung ist längst überfällig. Das haben wir heute wieder einmal deutlich gemacht.
Warum wird das BAföG für alle dann nicht einfach umgesetzt?
Die große Koalition hat sich dazu entschieden die Interessen der Wirtschaftsbosse viel höher zu gewichten als das Interesse der Bevölkerung. Für die Aufrüstung werden Milliarden ausgegeben, für emanzipatorische Bildung, Krankenhäuser die Gesund machen, aufklärerische Kultur, gute Löhne in allen Bereichen und und und soll es nicht nur nicht mehr sondern weniger Geld geben. Das gilt auch für die potentiellen Kulminationspunkte einer progressiven Entwicklung: die Hochschulen, welche bundesweit unter enormen Kürzungsdruck stehen.
Wir sagen: Jetzt reicht’s!
Für den Verlauf der Geschichte ist nicht entscheidend, was die Herrschenden tun, sondern was wir tun. Das zeigten und zeigen die Studierendenbewegungen weltweit.
1967 protestieren die Studierenden in der Bundesrepublik gegen den Vietnamkrieg, gegen die deutsche Unterstützung des Schahs von Persien und mit der Banneraktion hier im Audimax “Unter den Talaren Muff von tausend Jahren” zunehmend gegen die nazistischen Kontinuitäten. Bei alldem wurde klar: Die Hochschulen sind Orte des gesellschaftlichen Wandels und Wissenschaft muss ihre gesellschaftliche Verantwortung positiv wahrnehmen – zu Gunsten aller, statt für die Profite weniger. Und es wurde auch klar: Alle brauchen eine gute materielle Grundlage, um für Fortschritt gesellschaftlich zu wirken. Es ist deshalb kein Zufall, dass die 68er-Bewegung das BAföG als Vollzuschuss, also nicht als Darlehen, erkämpft hatte.
“BAföG für alle” war schon damals und ist heute gesteigert eine exemplarische Auseinandersetzung gegen die Sozialstaatskürzungen welche Hand in Hand gehen mit der Militarisierung und Kriegstüchtigmachung der Bundesrepublik. Es geht um nichts weniger als die Hervorbringung einer gesellschaftlichen Trendwende, um die Realisierung humaner Entwicklung weltweit.
Hier an diesem Ort, der Universität Hamburg, haben wir beispielgebend gute Bedingungen, erkämpft durch zahlreiche studentische Kämpfe, zu einer solchen Trendwende beizutragen.
Wir müssen uns nur dazu entscheiden, diese Bedeutung positiv wahrzunehmen. Entgegen allen Einreden von Bravheit, Gehorsam und Leistungsorientierung mit Frechheit, Dissidenz, Lebensfreude und Solidarität.
Seien wir realistisch, verlangen wir das Unmögliche!“
Redebeitrag von Marie (Liste Links, kritische Fachschaftsaktive in den Geisteswissenschaften).
Frankfurt am Main
Kundgebung vor dem PEG (Campus Westend) am Montag, den 17.11. von 12 – 18 Uhr
Oldenburg
Infostand am Campus Haarentor der Carl von Ossietzky Universität am Montag, den 17.11. von 11 – 14 Uhr
Köln
Kundgebung auf dem Albertus-Magnus-Platz am Montag, den 17.11. um 11:30
Dokumentierte Redebeiträge:
Gewerkschaftsaktive
Einleitung:
Wir alle kennen den Spruch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ein Blick auf aktuelle Zahlen zeigt, wie wahr er ist: Zwei Drittel aller Studierenden leben unter der Armutsgrenze und müssen neben dem Vollzeitstudium arbeiten, nur um sich das Studium leisten zu können. Immer weniger Menschen beziehen Bafög und die psychische Belastung der Studierenden und Auszubildenden sind immens. Dieser Druck entsteht auch dadurch, dass Studieren Arbeit bedeutet. Viel Arbeit sogar. Seminare Vor- und Nachbereiten, auf Klausuren lernen und Hausarbeiten schreiben, Präsentationen halten. All das geschieht nicht mal so nebenbei sondern erfordert Anstrengung, Zeit und eben auch Geld. Mit einem Bafög für alle, wie wir es heute gemeinsam fordern, wäre einiges erreicht: es wäre eine Beitrag zur Steigerung der Bildungsungerechtigkeit, zur Bewahrung unserer Demokratie und vor allem der verdiente Lohn.
Abschlussarbeiten
Als Studierende sind wir Teil der Hochschule und damit auch teil der Wissenschaft. Die Inhalte, die wir in unseren Studienleistungen wie Hausarbeiten und besonders den Abschlussarbeiten leisten, haben einen direkten einfluss auf den Erwerb neuer wissenschaftlicher Erkenntinisse. Wenn wir also eine Arbeit verfassen, tragen wir zur wissenschaftlichen Arbeit unserer Dozierenden bei. Besonders in den Abschlussarbeiten wird dieses klar.
Die dort von Studierenden erarbeiteten Erkenntisse tragen teils direkt zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen bei oder geben wichtige Impulse. Eine Arbeit, bei der Studierende meist nur hoffen können, ein wenig Annerkennung zu bekommen. Wärhend die Dozierenden davon profitieren, bekommen die Studierenden nichts. Von uns wird erwartet für nichts zu arbeiten.
Wobei nichts ja auch nicht ganz stimmt. Wir bekommen Credit Points. Doof nur, dass ich damit nicht meine Miete bezahlen kann oder meinen Wocheneinkauf.
Und dabei können wir ja in der Welt nach Bolonga die Creditpoint mit Geld vergleichen.
Wenn wir aber mal überlegen, dann steckt ein Lehramtsstudent nach CP etwa 450h arbeit in die 15 CP Masterarbeit. Würde die gleiche Arbeit eine wissenschaftliche Hiflskraft mit Bachelorabschluss machen, würde sie fast 6900 Euro bekommen. Und das obwohl studentisch Beschäftigte sehr prekär beschäftigt sind. 6900 Euro. So viel ist eine Masterarbeit also mindestens Wert, doch die Master Studierenden bekommen nichts davon. bis halt auf die CP.
Bildung als Gemeinnutzen
Und ja, die Qualifikationen, die ich als Studi erwerbe, bringen mir natürlich auch was. Aber Bildung bzw. Wissen nützt ja nicht nur mir. Besonders meine zukünfigen Arbeitgebenden Profitieren stark von meiner Arbeit währdend des Studiums, für die ich praktisch gezwungenermaßen in Vorleistung gegangen bin.
Das Lernen im Studium so wie auch in der Ausbildung trägt also auch zur Volkswirtschaft bei. Warum sollten wir dann in studentischer Armut leben?
Wissen muss auch kein begrenztes Gut sein. Duch Lernen tragen wir aktiv zur Vermehrung von Wissen bei. Je mehr Leute lernen, desto mehr Wissen und Bildung gibt es auch, und die ist ja sogar ein Grundrecht. Durch unser Lernen heflen wir dabei, dieses wervolle Gut zu vermehren. Am Ende profitieren die Arbeitgebenden und der Staat davon und bei Studierenden und Auszubildenden bleibt erstmal nichts hängen.
Demokratie Bildung
Der Staat profitiert in dieser Beziehung an sich sogar doppelt. Alleine der Akt des Studierens trägt zur Stärkung unserer Demokratie bei.
Bildung setzt dem erstarkenden Faschismus etwas entgegen, indem wir durch das wissenschaftliche Arbeiten eigene Vorurteile abbauen und uns, unsere Ansichten und Vorstellungen reflektieren, weiterentwickeln und prüfen.
Durch Wissensaneignung, Forschung und qualifizierende Ausbildung tragen wir dazu bei, dass Herausforderungen wie die Klimakatastrophe, soziale Ungleichheit oder bewaffnete Konflikte verstanden und gelöst werden können. Bildung ist ein Beitrag zum Fortschritt der gesamten Gesellschaft.
Damit leistet die finanzielle Ermöglichung von Bildung einen viel zu wenig betonten Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie und einem guten Leben für alle.
Abschluss
Den Satz, dass Lehrjahre keine Herrenjahr sind, wollen und können wir also nicht mehr so hinnehmen. Darum sind wir weiter mutig, fordern ein, was sinnvoll und geboten ist, und kämpfen gemeinsam für eine Bildungsfinanzierung, die ihren Namen wirklich verdient.
Darum müssen wir uns Jetzt!! organisieren. In den Betrieben, an den Hochschulen, in Gewerkschaften und auf der Straße. Für eine bedarfsdeckende, elternunabhängige, herkunftsunabhängige, unbefristete, rückzahlungsfreie Studienförderung!!!
Redebeitrag von Yurek (GEW Köln) und Anton (DGB Hochschulgruppe)
Unbegrenztes BAföG und Bildungsexpansion – Hochschulgruppe Wendepunkt
Unbegrenztes BAföG und Bildungsexpansion
Unbegrenztes BAföG, um unbegrenzt zu studieren? – irgendwann muss doch auch einmal Schluss sein!
Schluss womit denn eigentlich?
Ich möchte Student sein, um mir einmal an Hand einer Wissenschaft langsam klarzumachen, wie das so ist im menschlichen Leben. Denn was das geschlossene Weltbild anlangt, das uns in der Jugend versagt geblieben ist – »dazu komme ich nicht« sagen die Leute in den großen Städten gern, und da haben sie sehr recht. Und bleiben ewig draußen, die Zaungäste.
Wie schön aber müßte es sein, mit gesammelter Kraft und mit der ganzen Macht der Erfahrung zu studieren! Sich auf eine Denkaufgabe zu konzentrieren!
Wie schön für ihn! In heutigen Zeiten hätte er ja ein Seniorenstudium machen und dabei von der Rente leben können (– mal abgesehen von den Rentenreformen – ); aber was hat das mit dem Rest der Welt zu tun. Und warum soll eine Gesellschaft das bezahlen?
In Frankfurt – so berichten unsere dortigen Mitstreiter*innen – soll gerade im Kontext der dortigen Kürzungen, die anders als bei uns dort schon beschlossen und viel heftiger sind, das genaue Gegenprogramm – eine Höchststudiendauer – durchgesetzt werden. Wer genauer auf die Tabellen und Regelungen schaut – wer hat dafür Zeit außer politisch engagierte Langzeitstudis oder Langzeitstudis in spe? –, sieht: Der Grund ist gelogen: Langzeitstudis kosten die Hochschulen nicht mehr als andere auch. Neben einem Sockelbetrag, der gerade gekürzt wird, bringt jede*r Studi einen Rucksack Landesgeld mit an die Uni – egal wie lange sie oder er fürs Studium braucht. Und dann gibt es vielleicht noch ne sog. Prämie für alle, die nicht abbrechen. – Offenbar werden da die Kürzungen also genutzt, um mit krummer Argumentation durchzusetzen, was sonst nicht durchzusetzen wäre.
Auch wenn unbegrenztes BAföG ein bisschen was kosten würde (was gar nicht so falsch wäre, denn jeder Euro für Bildung ist ein Euro weniger fürs Militär!): Worum es eigentlich geht – damals wie heute – ist Bildungsexpansion: Bildung für alle und Bildung ein Leben lang! Voraussetzung für demokratische Bildung und antifaschistische Schlussfolgerung.
Warum beide Dimensionen der Bildungsexpansion?
1.
Bildung für alleBildung, die alle teilen, ist nicht nur mehr, sondern auch weniger als Machtinstrument missbrauchbar; sie neigt weniger zu menschenfernem Expert*innentum und ist damit weniger leicht für menschenfeindliche Interessen zu missbrauchen. Vor allem aber gilt: Wenn alle studieren können und tatsächlich und nicht nur formell alle Teile der Gesellschaft auch an den Hochschulen unterwegs sind, sind die Voraussetzungen viel besser dafür, dass es auch um die Probleme aller geht und sie im Sinne aller gelöst werden – etwa Bekämpfung der Arbeitslosigkeit statt der Arbeitslosen, Klimawende statt des Versuchs, die Folgen des Klimawandels auf den Globalen Süden abzuwälzen etc.
2.
Bildung ein Leben langAuf der Webseite der RWTH Aachen heißt es: „Das Student-Lifecycle-Management, kurz SLCM, betrachtet den gesamten Lebenszyklus der Studierenden an einer Hochschule. Ziel der SLCM-Arbeit ist die Unterstützung aller (Verwaltungs-)Prozesse von der Bewerbung bis zum Verlassen der Hochschule, um einen reibungslosen Verlauf des Studiums zu gewährleisten.“2So soll das also sein: reibungslos bis zum Verlassen der Hochschule – und dann ist der student lifecycle zu Ende, dann soll man für die Uni also gestorben sein. – Oder als Alumni auferstehen und mal was springen lassen.Wofür aber soll ein reibungsloses Studium in diesen Zeiten sein? Wie sehr muss man sich dafür verbiegen? Vorbereitung auf das Spießerleben, das die AfD gerne hätte? Erwerb von Kenntnissen – ursprünglich gedacht in Studiengebühren pro CP, und auch noch im System implementiert –, mit denen man dann der hiesigen Industrie zur Verfügung steht?Davon hat die Welt tatsächlich mehr als genug. Kritisches Denken, Wissenschaft im Interesse der Allgemeinheit… kennt kein Ende – und dafür wiederum braucht die Welt tatsächlich mehr.
Und wer es so ernst meint, länger sich aufs BAföG zu beschränken, studiert wirklich überzeugt. Lasst uns alle Überzeugungstäter*innen werden!
Redebeitrag von der Hochschulgruppe Wendepunkt.
Fachschaft China
Hallo ich bin Lena und Studieren Regionalstudien China
Die Chinastudien sind weit mehr als das Erlernen einer Sprache. Sie sind ein Studium, das kulturelle, politische und gesellschaftliche Kompetenz vermittelt, Kompetenz, die in einer global verflochtenen Welt unverzichtbar geworden ist. China ist nicht irgendein Land. Es ist ein zentraler Akteur unserer Gegenwart und unserer Zukunft: diplomatisch, technologisch,
wirtschaftlich und kulturell. Wer dieses Land versteht, kann globalen Austausch fördern, konstruktive Zusammenarbeit gestalten und damit zu einer informierten, friedlichen und verantwortungsvollen Gesellschaft beitragen.
Doch genau dieses Verständnis fällt uns hier oft schwer. Ein tief verwurzeltes Misstrauen gegenüber allem „Chinesischen“ prägt öffentliche Debatten und Medien und schwappt peu a
peu auch in viele private Gespräche, besonders während der Covid Zeit war das der Fall. Dieses Misstrauen schafft gesellschaftliche und geopolitische Spannungen und verhindert wertvollen Austausch.
Studierende der Chinastudien leisten hier einen entscheidenden Beitrag: Sie lernen fundiert, kritisch und historisch informiert zu analysieren, statt sich von Vorurteilen leiten zu lassen. Sie entwickeln die Fähigkeit, Hegemonien zu benennen,
und Blockbildungen zu hinterfragen.
Gerade in Zeiten wachsender geopolitischer Konflikte brauchen wir die Fähigkeit zerstörerische Muster und Machtstrukturen zu erkennen. Das Narrativ „China gegen den Westen“ hindert uns daran zu erkunden, wie echte Zusammenarbeit aussehen könnte.
Und genau darin liegt die besondere Stärke der Chinastudien: Sie eröffnen neue Perspektiven. Anstatt in starren geopolitischen Gegensätzen zu denken, lernen wir, Räume des Dialogs zu
schaffen, die auf Verständnis und Expertise basieren. Dieser große gesellschaftliche Mehrwert entsteht natürlich nicht über Nacht. Er entsteht durch intensives, jahrelanges Lernen. Durch Menschen, die bereit sind, eine anspruchsvolle Sprache zu lernen, vielfältige historische Zusammenhänge zu erforschen und internationale Perspektiven zu verstehen.
Und deshalb verdient ein Studium mehr Unterstützung.
Studium ist Arbeit. Es ist Arbeit an der eigenen Bildung, an der Gesellschaft und an unserer gemeinsamen Zukunft.
Und deshalb sollte unser Studium finanziell honoriert werden – nicht als Geschenk, sondern als nachhaltige Investition in eine friedlichere, offenere und global verantwortliche Welt!
Redebeitrag von Lena (Fachschaft China)
Fachschaft Physik
Die Physik bietet Erkenntnisse über grundlegende Fragen über die uns umgebenden Welt, die zu begreifen schon einen Wert an sich darstellt.
Darüber hinaus ist physikalische Grundlagenforschung schon immer zentral für die Entwicklung neuer Technologien mit dem Potenzial, unser Leben zu verbessern: dazu gehört zum Beispiel die LED-Lampen, die einen geringeren Energieverbrauch haben als Glühbirnen; 3-dimensionale Bildgebungsverfahren nutzen hochauflösende MRT (Magnetresonanztomographie)- und CT (Computertomographie)-Geräte, mit denen Mediziner Krankheiten frühzeitig erkennen können. Erfindungen wie Telefon, Radio, Internet, ermöglichen uns die Kommunikation mit unseren Lieben als auch völlig Fremden. In der Atmosphären- und Strahlungsforschung entstehen Modelle, mit deren Hilfe wir den Klimawandel verstehen und wirksame Gegenmaßnahmen entwickeln können. (Über Quantencomputer habe ich nichts Positives zu sagen.) Als positives Beispiel der Forschung an der Uni Köln haben wir den jüngeren Bereich der Biophysik ausgesucht, der hier entstanden ist, weil man festgestellt hat, dass bestimmte physikalische Ansätze auf die Biologie angewandt die Krebsforschung massiv voran bringen und große Bedeutung für die Bekämpfung von Seuchen haben. Die Rolle von Studierenden ist es dabei nicht, sich einfach nur berieseln zu lassen. Während ihrer Abschlussarbeiten forschen sie an konkreten Fragestellungen und sind Teil der Arbeitsgruppen. Durch das Stellen der richtigen Fragen bei Veranstaltungen können sie Anregungen für die weitere Forschung geben.
Welche Schwerpunkte in der Forschung gesetzt werden und ob die entwickelten Technologien dann auch in den Dienst der Menschheit gestellt werden, ist eine politische Frage.
Werbeblock: Wie das unserer Meinung nach mit den Kürzungen der Unifinanzierung zusammenhängt, könnt ihr nachlesen in der Kürzungsbroschüre.
Die notwendige, breite Diskussion über die Bedeutung der Lehre und Forschung sollte auch an den Universitäten unter Studierenden und Dozierenden geführt werden. Um die Wissenschaft effektiv in den dienst der Allgemeinheit stellen zu können, müssen auch die Wissenschaftler die Heterogenität der Allgemeinheit widerspiegeln. Damit kommen wir zu einem weiteren positiven Potential, was sich aus der internationalen Ausrichtung des Studiums und der Forschung ergibt:
Etwa 40% unserer Master-Studierenden stammen aus dem Globalen Süden, überwiegend aus Ländern, die unsere Regierung und ihre Freunde zu „Schurkenstaaten“, systemischen Gegnern usw. zählt. Das ermöglicht eine unglaubliche Weitung des Horizonts für alle Beteiligten und kann noch viel mehr als jetzt schon zur Völkerverständigung von unten beitragen.
Die Bedingungen für den Kampf um die Demokratisierung des Fachbereichs und seine Ausrichtung nach dem Allegemeinwohl werden stark eingeschränkt: Durch soziale Auslese, sowohl hier als auch international, wird die Studierendenschaft homogenisiert. Dadurch kann sie kaum noch ihr gemeinsames Interesse mit der weltweiten Zivilbevölkerung erkennen und bildet nur noch zukünftige Eliten ab. Bafög für alle reduziert den existentiellen Druck, unter dem viele Studierende leiden und von dem ausländische Studierende aufgrund der verhältnismäßig hohen Lebenshaltungskosten in Deutschland besonders betroffen sind. Das eröffnet Freiräume, im Studium über den Tellerrand zu blicken und sich durch die eigene Neugier und Kreativität geleitet einzubringen und auszutauschen. Dadurch dient das Studium nicht nur als eine individuelle Karriere-Investition sondern als Beitrag zur Völkerverständigung.
Lorinda (Fachschaft Physik)